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Gleusdorf

1830: 276 Einwohner, darunter 44 Juden (15,9%)
1933: 302 Einwohner, darunter keine Juden

Früheste Belege für die Anwesenheit von Juden in Gleusdorf stammen aus der Zeit um 1660, als hier sechs jüdische Familien ansässig waren; doch ist die jüdische Gemeinde möglicherweise älter. Die jüdische Bevölkerung, die im 18. Jahrhundert wohl ein Fünftel der Einwohnerschaft ausmachte, wohnte in einer eigenen Gasse am südöstlichen Ortsrand.
Um den Bau ihrer neuen, bescheidenen Synagoge zu finanzieren, ließen die Gleusdorfer Juden 1855 unter den jüdischen Gemeinden im ganzen Königreich Bayern eine Kollekte veranstalten. Die Zahl der Gemeindemitglieder war damals bereits gering, und die meisten Familien lebten in ärmlichen Verhältnissen. Neben Viehhandel werden „Landkramhandel”, Lumpensammeln, Weberei und Seifensiederei als Erwerbstätigkeiten genannt.
Die kleine Gemeinde war bekannt für ihre orthodoxe Ausrichtung. In den wenigen Häusern der Gleusdorfer Judengasse fanden sich mehrere Ritualbäder. Ihre Verstorbenen bestatteten die Gleusdorfer Juden stets auf dem Friedhof in Ebern - auch dann noch, als 1841 auch im leichter zu erreichenden Untermerzbach ein jüdischer Friedhof angelegt wurde.
Nach 1861, als mit der Aufhebung der Matrikelgesetze die besonderen Beschränkungen der Niederlassung für Juden im Königreich Bayern entfielen, verzogen mehr und mehr Familien aus dem Ort. 1909 wurde mit Moritz Gunzenhäuser der letzte jüdische Einwohner Gleusdorfs in Ebern bestattet. Im Jahr darauf wurde die Synagoge verkauft.
Jüdische Familien in Gleusdorf:
Baum, Fleischmann, Gunzenhäuser, Herrmann, Kaufmann, Morgenthau, Rau.